10.000 TAGE SPÄTER

Text: WP   Fotos: WP

Die Anfänge der Indians auf der Birkenwiese

Es war irgendwann im April 1991 als sich ein Dutzend Teenager früh morgens beim Sportplatz Birkenwiese trafen. Genauer gesagt dem Hartplatz. Dieser wurde damals im Herbst und Frühjahr von den Fußball Teams des FC Dornbirn benutzt, da es weit und breit noch keinen Kunstrasenplatz gab, aber an diesem Morgen sollte daraus ein Baseball Feld werden. Die Base Distanzen mussten ausgemessen werden, anschließend die langen Heringe der Bases in den harten Boden geklopft werden. Aus einem Fußballtor und einer Plane wurde ein Backstop, und aus Stecken und Absperrband entstand die Outfieldbegrenzung. Zwei Bierbänke und ein Sonnenschirm dienten als Spielerbank. Ach ja, und einen Mound gabs natürlich nicht. Das Spielfeld war bereit! Die Dressen in dieser ersten Saison der Indians wurden von Müttern und Omas selbst genäht. Jeder Spieler bekam, Dank einer netten Spende, den Stoff und zusätzlich so was wie Schnittmuster, in Wirklichkeit nicht viel mehr wie ein Foto aus einem Baseball Katalog. Der in Kanada lebende Onkel eines Spielers schickte noch vor der Saison zwei Dutzend Baseball Caps mit unserem Logo. Heute kann sich das kaum ein Spieler mehr vorstellen. Vom damaligen Team spielt heute keiner mehr aktiv Baseball bei den Indians, aber zwei dieser Spieler sind dem Verein bis heute verbunden geblieben. Die Vorarlberger Landesliga gewannen die Indians übrigens in ihrer ersten Saison.

Der Hartplatz der Birkenwiese wurde zum Zuhause der Indians. Der Platz wurde langsam, Schritt für Schritt ein wenig mehr zu einem Baseball Platz. Ein fixer Backstop wurde installiert, Verankerungen für die Bases im Boden vergraben, ein mobiler Zaun im Outfield ersetze da Absperrband, eine Tribüne wurde selbstgemacht und eines Tages wurde ein Container geliefert, der zum Clubheim wurde. An Charme war der Platz, besonders das Clubheim (es war einfach mehr als nur ein Container!) unter den Birken, kaum zu überbieten.
Auch die Indians entwickelten sich weiter. Das erste Dress wurde schnell durch ein richtiges Dress aus den USA ersetzt und nach einigen Jahren entstand ein zweites Team und der erste Coach aus den USA wurde engagiert. Nach dem Aufstieg in die 2.Bundesliga-West, folgte der Aufstieg in die 1. Bundesliga, welche bereits in der ersten Saison gewonnen wurde. Sportlich war alles wunderbar, aber die von uns so geliebte Birkenwiese war einfach zu klein für ein Baseball Feld. Easy Flyouts wurden zu Doubles, Homeruns unserer Lefty Batters über den Zaun im Rightfield waren wegen der zu kurzen Distanz leider auch nur Doubles. Aber uns fehlte das Geld, der Rückhalt, und auch die Größe als Verein um das Projekt Baseball Platz ernsthaft umzusetzen.

Grundstücke, welche man uns vorgeschlagen hat, gab es viele! Gleich gegenüber der Birkenwiese wäre doch ideal! Okay die über 200 Obstbäume sind ein Problem. In Haselstauden, Nähe Zumtobel, direkt an der Bahn! Okay, 80m von Homeplate direkt zum Gleis sind auch etwas wenig. Auch das Dornbirner Ried und irgendwo in der Nähe der Autobahn Richtung Lustenau habe ich mal gehört. Ob‘s stimmt weiß ich heute leider nicht mehr.
Nach 11 Jahren war dann aber Schluss, wir mussten, auch mit schwerem Herzen, unsere Birkenwiese verlassen. Um weiterhin in der damaligen Austrian Baseball League (neuer Name für die höchste Spielklasse) spielen zu dürfen, mussten wir unsere Heimspiele ab der Saison 2002 auf einem größeren Platz austragen. Auf die Schnelle gabs nur wenige Alternativen, eigentlich nur eine. Der Hartplatz der Sportanlage Rohrbach. Schon wieder ein Hartplatz könnte man sich denken, aber wir kannten nichts anderes und für uns war ein größeres Spielfeld ein Fortschritt. Ein wenigen Wochen wurde ein Backstop, richtiger Zaun, ein Batting Cage, und man glaubt es kaum, erstmals ein richtiger Mound erschaffen. Teile unserer Infrastruktur wurden von der Birkenwiese mitgenommen und so entstand etwas das schon ein wenig mehr nach einem Baseball Platz aussah.

Der Verein entwickelte sich in den weiteren Jahren prächtig. Ein zweiter Meistertitel folgte, zahlreiche Nachwuchsteams wurden gegründet, die Mitgliederzahlen stiegen, und nach über 20 Jahren war der Name Indians vielen Dornbirnern ein Begriff. Der Wunsch nach einem eigenen Baseball Platz war immer noch vorhanden, aber so richtig glaubte niemand mehr daran. Zu viele Versuche, zu viele Absagen, und zu wenige Grundstücke. Keiner unser Spieler hätte aber auch nur je eine Sekunde daran gedacht den Handschuh an den Nagel zu hängen. Die Liebe zum Spiel war dafür viel zu groß. Unser Platz wurde belächelt! Man schüttelte den Kopf wie man nur auf so einem Untergrund spielen kann. Es half auch nichts, dass er von Zeit zu Zeit als Parkplatz verwendet wurde. Wodurch es auch schnell hieß die Indians spielen auf einem Parkplatz. Man hätte ja auch sagen können, dass der Baseball Platz als Parkplatz verwendet wird! Für mich war der Hartplatz der Sportanlage Rohrbach mein Zuhause, und mal ehrlich wer hört gerne negative Aussagen über sein Zuhause, seine eigenen vier Wände! Nicht jeder hat ein Strandhaus in Malibu oder Villa in Beverly Hills.

Dann folgte das Jahr 2014, das Ende der Saison 2014. Die Indians mussten sich nach schmerzlichen Niederlagen den Metrostars im Finale geschlagen geben, und fast wie aus dem Nichts wurde wieder einmal von einem Baseball Platz geredet. Genauer gesagt von einer Person (die, da bin ich mir sicher hier gar nicht groß erwähnt werden möchte, und daher werde ich es auch nicht tun), die noch gar nicht so lange Mitglied im Verein war. Ich erinnere mich an eine Aussage, als wir nach den Niederlagen Wien auf den Bus gewartet haben, die so in Richtung „so was wie hier (Spenadlwiese) wirds in Dornbirn auch bald geben.“ Innerlich musste ich lachen. Zu lange war ich Teil der Indians um zu wissen, oder zu glauben, dass es in Dornbirn zu meinen Lebzeiten nie einen Baseball Platz geben wird. Aber irgendwie hat sich diese Person das Ziel gesetzt, dass in Dornbirn ein Baseball Platz gebaut werden muss, und akzeptierte keine Rückschläge, die es gab, denn das erste Projekt, wie so viele zuvor, war schnell wieder vom Tisch. Aber er gab nicht auf, und so kam der 18.05.2017 als es Seitens der Stadt Dornbirn grünes Licht gab. Unvorstellbar! Was in den Monaten danach alles geschehen ist, muss hier nicht eigens erwähnt werden, denn voller Stolz haben wir in den letzten Monaten davon berichtet und in den vergangenen Tagen auch die Vorarlberger Medien (Danke!).

Heute ist der Tag X! Rund 10.000 Tage nach dem ersten Spiel der Indians, auf einem Hartplatz in selbstgenähten Dresses, spielen die Indians um den Einzug ins Finale der Baseball League Austria. Ah ja, nicht mehr auf einem Hartplatz, sondern erstmals in der Geschichte der Dornbirn Indians, auf Rasen und richtigem Dirt – und in Dornbirn! Unbelievable.

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